Kleider- und Hygieneaktion
Mittwoch Juni 22nd 2011, 12:15
Filed under: Allgemein

Am Dienstag den 14.6. packten Johannes und ich uns die
Rucksäcke mit Zahnbürsten, Zahnpasta und Seife voll und fuhren im Minibus nach
Lajing. Vor einigen Jahrzehnten war dies die Hauptstadt des Landkreises
Lanping, doch als hier das Zinkbergwerk wuchs änderte sich das.  Die Saline am Fluss wurde geschlossen und die hohe
Arbeitslosenrate führte langsam zur Verarmung. Am Freitag zuvor hatten wir
Kleider in die Mittelschule gebracht, doch die Schüler waren bereits nach Hause
gefahren. Also stand zuerst das Verteilen an, ein deprimierendes Chaos. Da
Jungs generell weniger vorsichtig mit Klamotten umgehen, waren unter den
Spenden auch mehr brauchbare Mädchensachen. So hatten wir gut über 100 Hosen
und Jacken für Mädchen, für Jungen dagegen nur etwa 80 Stück. Diese sollten an
gut 400 Schüler verteilt werden. Die Jungs rissen alles an sich und waren mit
den abgetragensten Hosen zufrieden. Die pubertierenden Mädchen waren dagegen
sehr wählerisch. Nachdem ich einem Mädchen die fünfte passende Hose hinhielt
und sie diese immer noch nicht wollte, fragte ich mich, ob es sinnvoll war,
diesen Kindern die Kleider zu geben. Mittelschulen sind grundsätzlich größer
und prunkvoller als die Grundschulen in den Dörfern. Zwar gibt es kein
Schulgeld, trotzdem fallen Lebenshaltungskosten für die Schüler an. Vermutlich
bleiben die ärmsten Kinder aus den Dörfern oftmals nach der Grundschule zu Hause,
obwohl eine Schulpflicht besteht. Doch selbstverständlich kamen alle Kleider
weg und ich verdrängte diese sinnbezweifelnden Gedanken.

Der Schulleiter, der uns schon am Freitag zuvor zum Essen
einladen wollte, bestand diesmal darauf, dass wir die Einladung annähmen. Wir
wurden vor riesige Fleischplatten gesetzt, die eine ganze Schulklasse hätten
sattmachen können. Danach fuhren wir auf einem holprigen Matschweg nach 长间Changjian,  einem
kleinen Dorf etwa eine Fahrtstunde entfernt. Mit 115 Grundschulkindern wuschen
wir beide unsere Hände, bis die Haut von der Seife ganz gereizt war. Jeder
bekam ein Stück Seife, Zahnbürste und -pasta, größtenteils Spenden der
Supermärkte in Lanping. Danach putzten wir alle gemeinsam die Zähne und
schärften den Kindern ein die Zahnbürste täglich, bestenfalls morgens mittags
und abends zu benutzen. Obwohl wir noch Luftballons dabeihatten, die bei den
Grundschülern immer sehr gut ankommen, brachen wir direkt auf. Es gab kein
Auto, das uns hätte zurückfahren können, sodass uns noch eine dreistündige Wanderung
zurück nach Lajing erwartete. Dort fanden wir zum Glück schnell einen Bus der
uns zurück nach Lanping brachte.

Johannes beim ZähneputzenVon Rot nach weiß!scheue Grundschulkinder



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